Personal Branding. Was genau kann man sich eigentlich unter diesem Begriff vorstellen? Und wieso ist es auch für den Tourismus so wichtig, Personen mit einer aussagekräftigen Personal Brand einzusetzen? Darüber klärt Dominik Sedlmeier auf.

Im Personal Branding geht es in erster Linie um eine Person, welche im Vordergrund steht. Produkte und Dienstleistungen sind vorerst als nebensächlich zu bezeichnen. Heutzutage ist dieser Aspekt in der Vermarktung unabdingbar, da jeder einzigartig sein und sich von anderen abheben möchte und sollte. Personal Branding hilft dabei, sich von anderen zu unterscheiden, indem man seine Persönlichkeit, Kompetenzen und Visionen authentisch nach außen hin kommuniziert. Bekannte Beispiele sind hierfür Jeff Bezos, Elon Musk oder Steve Jobs.
Jeder Mensch hat seine eigene, persönliche Social Brand. Bei jedem ist diese unterschiedlich stark ausgeprägt, bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Kurzgefasst ist eine Brand, was für ein Meinungsbild andere Menschen über eine Person haben, was sie über sie sagen, denken oder von ihr halten.

Warum Personal Branding für Hotelbesitzer unabdingbar sein sollte

Es gibt unzählige Hotels: Wellnesshotels, Familien Resorts, Tagungsstätte und viele weitere. Aber wie differenziert man beispielsweise Wellnesshotels untereinander – abgesehen von der Anzahl ihrer Sterne? An dieser Stelle ist das Branding des Hotelbesitzers gefragt. Dadurch, dass man dem Hotel ein Gesicht und eine Stimme gibt, ist es möglich, sich von den anderen Hotels der Branche abzuheben. Es ist möglich, die Unternehmensphilosophie und dessen Werte, durch eine Person, klar zu kommunizieren. Ist ein Hotelchef beispielsweise Feinschmecker und ein Freund der ausgefallenen und abwechslungsreichen internationalen Küche, kann man, bei der richtigen Kommunikation, sich und sein Unternehmen mit diesen Eigenschaften „branden“. Man wäre dadurch nicht mehr „ein Wellnesshotel in München“, sondern „DAS Wellnesshotel, mit einer ausgefallenen und abwechslungsreichen internationalen Küche, in München“.

Auch der bekannte Fitness-Influencer Hagen Richter ( IG#hagenrichter) geht gerne Kooperationen mit Hotels und Destinationen ein

Die Vorteile noch einmal Zusammengefasst: Das Hotel hat sich klar in einer Nische positioniert und von den anderen unterschieden, womit es bei seiner Zielgruppe verstärkt Bekanntheit erreicht. Zusätzlich hat man sich von seiner direkten „Konkurrenz“ distanziert, in dem man sein Alleinstellungsmerkmal sowie seine Philosophie und Werte hervorgehoben hat.
Ein weiterer Vorteil hierbei ist, dass jeder Besucher im Vorfeld weiß, was ihn erwartet. Somit gehören schlechte Bewertungen, aus Missverständnissen bei Buchungen, der Vergangenheit an.

Influencer präsentieren ihre eigene Social Brand

Im Tourismus werden u.a. Influencer eingesetzt, um Reiseziele, Hotels und
Sehenswürdigkeiten für Kunden interessant zu machen und zu promoten. Etablierte Bekanntheiten auf Instagram besitzen ein hohes Vertrauen Ihren Followern gegenüber. Dieses entgegengebrachte Vertrauen zeichnet den Erfolg aus. Gefolgt wird der Person mit welcher man sich identifiziert und welche einen inspiriert. Der Influencer baut sich auf seinen Social-Media-Kanälen seine eigene Personal Brand auf und das beispielsweise in der Reisebranche. Er reist gerne und bewertet dabei die verschiedenen Reiseziele inkl. Hotels und Sehenswürdigkeiten. Somit beobachten reiselustige Follower seinen Kanal. Aus diesem Grund werden oftmals Kooperationen zwischen Influencern und Hotels geschlossen. Auf den Plattformen nimmt der Reisende seine Community visuell mit und betreibt gleichzeitig Werbung. Im Gegenzug werden Aufenthalte oftmals komplett finanziert.

Klare Win-Win-Situation, für Unternehmer und Influencer

Für diese Art des „Empfehlens“ braucht ein Influencer keine besonderen Kenntnisse im Tourismusbereich. Seine Follower sind eine klar definierte Zielgruppe, die sich für das Thema „Reisen“ interessieren. Hier reicht es aus, dass der Influencer seine Meinung teilt und den Aufenthalt aus seiner Sicht dokumentiert. Durch eine Kooperation zwischen Influencer und Hotel entsteht also eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Das Hotel gewinnt durch die positive Empfehlung des Influencers an Reichweite, die zu neuen Kunden und somit zu mehr Umsatz führen. Der Influencer hingegen kann kostenlos reisen und hat keine Kosten für einen Hotelaufenthalt.

Das Marketing ist nicht nur im weltweiten Tourismus wichtig

Damit es aber überhaupt zu einer Win-Win Situation kommen kann ist es für beide Seiten sehr wichtig, dass man sich den „richtigen“ Kooperationspartner aussucht. Hierbei sollten Synergien vorhanden sein. Das Hotel muss sich mit der Ausrichtung des Influencers, sowie dessen Werten, die er vertritt, identifizieren können.
Ein paar Fragen die sich Hotelbesitzer diesbezüglich stellen sollten wären: Kommt der Influencer glaubwürdig rüber? Repräsentiert er bereits besuchte Hotels und Urlaubsziele in einer angemessenen Weise? Wie viele Follower hat er und wie ist die Resonanz seines Netzwerks? Zieht er tatsächlich viele, potentielle Kunden an?

Die wichtigste Frage sollte jedoch sein: Passt er von seiner Ausrichtung zum Hotel?
Heißt letztendlich, dass es keinen Sinn macht, einen Influencer, der mit begrenztem Budget eine Backpacking Tour macht, in ein Luxushotel zu stecken. Andersherum macht es genauso wenig Sinn, dass ein abenteuersuchender Influencer mit einem, für ihn langweiligen, Familien Resort kooperiert.
Das würde in beiden Fällen zu einem Missverständnis und nicht zu den gewünschten Ergebnissen führen, da der Influencer sich von dem Hotel und der Location nicht abgeholt fühlt und das seiner Community auch so mitteilt. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass durch den falschen Kooperationspartner auch eine völlig falsche Zielgruppe angesprochen wird. In beiden Fällen würde es dem Unternehmen schaden. Erstens durch keine gute Empfehlung und zweitens durch das Verlieren potentiellen Neukunden.

Es ist also wichtig, dass Reiseinfluencer eine glaubwürdige Personal Brand mit einer eindeutigen Zielgruppe mitbringen, um ernst genommen zu werden und den Tourismus dauerhaft durch ihre Empfehlungen unterstützen zu können, sodass beide Seiten langfristig voneinander profitieren.

Über den Autor:
Dominik Sedlmeier ist CEO der Markenagentur El Clasico Media GmbH. Ein Netzwerk für Kommunikation und Markenentwicklung mit den Schwerpunkten Markenstrategie, Public Relations und Social Media. Als Interims Manager, unterstützte er zuvor diverse Unternehmen, wenn es darum ging den Vertrieb hochzufahren, Umsätze zu skalieren und eine Marke aufzubauen.