Mittelstandsverband befürchtet Aus für Spezialveranstalter

Die Allianz Selbständiger Reiseunternehmen – Bundesverband e.V. (asr) übt Kritik am Entwurf des “Gesetzes zur Abwehr von Steuervermeidung und unfairem Steuerwettbewerb”.
Mit dem Gesetz, dessen Entwurf das Bundesfinanzministerium jetzt vorlegte, sollen Überlegungen der EU zu den in Steuerfragen nicht kooperativen Ländern in deutsches Recht umgesetzt werden. Auf der “schwarzen Liste” der EU stehen hier z.B. Barbados, Fidschi, Oman, Panama, Samoa, die Seychellen sowie Trinidad und Tobago.

Der Mittelstandsverband begrüßt grundsätzlich den Kampf gegen Steuerumgehung, fordert aber eine situationsgerechte Behandlung der Zahlungsströme im internationalen Reiseverkehr. Im Entwurf wird deutschen Unternehmen für sämtliche Aufwendungen aus Geschäftsbeziehungen in diese Länder die steuerliche Abzugsfähigkeit untersagt.

“Wenn ich aber als Reiseveranstalter ein Flugticket der Air Seychelles oder eine Hotelrechnung in zahlreichen Urlaubszielen der Karibik und des Pazifiks nicht mehr als Aufwand geltend machen kann, heißt dies, dass ich fast den gesamten Reisepreis als Gewinn versteuern muss”, rechnet asr-Steuerexperte Sören Münch vor. Auch der Umfang der geforderten Dokumentations- und Nachweispflichten sei nur für Banken, nicht aber für Veranstalter zu leisten.

Der Mittelstandsverband befürchtet für zahlreiche Spezial-Veranstalter existenzgefährdende Umsatzeinbußen: “Viele Tauchreise-Veranstalter haben sich

Jochen Szech

auf diese Ziele spezialisiert und auch Südsee-Anbieter stehen ohne Ziele wie Fidschi und Samoa vor dem Aus. Zudem würde mit dem Oman eines der politisch stabilsten Ziele im arabischen Raum getroffen”, kritisiert asr Präsident Szech.
Der asr hat daher dem BMF einen Änderungsvorschlag vorgelegt, der die Reisebranche von diesen Regelungen ausnimmt. Szech argumentiert: “Wer für Steuertricks Geld in die Südsee schafft, tut dies bestimmt nicht, in dem er für hundert Dollar eine Hotelübernachtung auf einer Tauchbasis bucht.”

Die Allianz selbständiger Reiseunternehmen Bundesverband e.V. vertritt als strikt unabhängiger Bundesverband die Interessen von mittelständischen Reisebüros und Reiseveranstaltern. Ziel des Verbands ist, eine möglichst große Vielfalt von Reisemittlern und Reiseveranstaltern auf dem Markt zu erhalten. Die Bandbreite von Umsätzen und Beschäftigungszahlen der inhabergeprägten, von großen Reisekonzernen unabhängigen Mitgliedsunternehmen variiert. Neben den jährlichen Mitgliederversammlungen veranstaltet der asr Tagungen und Seminare zu aktuellen Themen und arbeitet an branchenrelevanten Projekten. Unterstützt wird der asr Bundesverband e.V. von außerordentlichen und fördernden Mitgliedern aus der Tourismusbranche.