Die Corona-Pandemie hat die ganze Welt fest im Griff. Doch ganz langsam etabliert sich die „neue Normalität”, denn die Einschränkungen gehören immer mehr zum Alltag. Um den Tourismus auch mit den Beschränkungen durch Covid-19 so sicher wie möglich zu gestalten, hat die thailändische Tourismusbehörde (TAT) ein besonderes Sicherheits- und Gesundheitskonzept ins Leben gerufen.
“Amazing Thailand Safety and Health Administration”

Das Zertifikat mit dem Namen “Amazing Thailand Safety and Health Administration”, kurz SHA, hat zum Ziel, den Tourismus-Bereich auf die Rückkehr der internationalen Touristen vorzubereiten. Dazu kooperiert das TAT mit verschiedenen Ministerien sowie Verbänden aus dem Hotel- und Gastgewerbe.
Dabei spielen insbesondere Temperatur-Messen, das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes sowie Desinfektion eine wichtige Rolle. Für die meisten Bereiche gelten außerdem Abstandsregelungen. Wenn die Unternehmen den umfassenden Hygiene- und Sicherheitskonzepten nachkommen, werden sie mit dem SHA-Zertifikat ausgezeichnet. Dadurch wird den Touristen ein angenehmes Reiseerlebnis ermöglicht.

Hygiene- und Sicherheitsvorkehrungen sind ein wichtiger Bestandteil von nachhaltigem Reisen. Denn nur wer sicher reist und seine Gesundheit dabei nicht aufs Spiel setzt, reist verantwortungsvoll – für sich selbst und seine Mitmenschen.

Im Folgenden finden Sie zwei Interviews mit zwei sozialen Projekten, die sich auf nachhaltige Reise-Erfahrungen spezialisiert haben. Wie erleben sie die aktuelle Situation und welche Herausforderungen müssen sie meistern?

Andaman Discoveries wurde 2004 nach dem Tsunami in Thailand gegründet, um Einheimische beim Wiederaufbau ihrer Gemeinden zu helfen. Daraus entwickelte sich eine kontinuierliche Zusammenarbeit, bei der die Einheimischen die Möglichkeit haben, über nachhaltige Reiseangebote ein Einkommen zu erzielen und ihre Tradition zu wahren. Insbesondere Touren von Ortskundigen und Homestays sind beliebte Angebote.

Mokenvillage (Foto:Andamandiscoveries)

Interview mit Kundenberaterin Lindsey Reding: 
Wie haben Sie die Situation in den letzten Monaten erlebt?
“Seit Februar haben wir die Lage beobachtet und erste Vorkehrungen getroffen. Zum Glück konnten wir damals noch Gruppen beherbergen, wodurch wir einen kleinen finanziellen Puffer erzielen konnten. Wir haben unsere Zahlen analysiert und über Gehaltskürzungen, vorübergehende Schließungen und andere mögliche Szenarien für die kommenden Monate diskutiert. Im März eskalierte die Situation und wir verloren innerhalb einer Woche alle unsere Buchungen, was dazu führte, dass unser Unternehmen schwierige Entscheidungen über unsere Zukunft treffen musste. Letztendlich wurde eine vorübergehende Schließung für sechs Monate vereinbart, sodass wir alle laufenden Kosten senken und unseren Angestellten ermöglichen konnten, Sozialhilfe zu beantragen. Wir hoffen, dass wir dadurch Andaman Discoveries auf lange Sicht erhalten können. Thailand leistet mit seinen Maßnahmen in dieser Pandemie eine beeindruckende Arbeit.”

Wie gehen Sie mit der Covid-19-Situation im Allgemeinen um?
“Unser Unternehmen ist aus dem Tsunami von 2004 hervorgegangen. Wir sind daran gewöhnt, dass wir alles tun müssen, um Andaman Discoveries langfristig zu erhalten. Wir hoffen, dass wir im November wiedereröffnen können und dass wir eine erfolgreiche Hochsaison 2020-2021 haben werden. Es ist sehr schwer, keinen konkreten Plan machen zu können und einer so ungewissen Zukunft entgegenzublicken.”

Welche Hygienemaßnahmen haben Sie bereits getroffen und welche sind geplant?
“Wir befolgen derzeit alle Einschränkungen, die von der thailändischen Regierung und den staatlichen Gesundheitsämtern erlassen wurden. Wir durchlaufen außerdem gerade den Zertifizierungsprozess für das SHA-Programm, um zu gewährleisten, dass alle Gäste sicher sind, wenn wir wieder öffnen. Wir werden Termine mit unseren Partnern vereinbaren, damit auch sie entsprechende Sicherheitsvorkehrungen für die Gäste treffen können.”

Welchen Eindruck haben Sie von der Situation des Tourismus in Thailand (im Moment und in naher Zukunft)?
“Der Tourismus in Südthailand hat einen so großen Rückschlag erlitten. Es ist schwierig für Einheimische und Reiseveranstalter. Es war gut, zu sehen, wie Gleichgesinnte zusammenkamen, um Ideen auszutauschen und positiv durch diese schwierige Zeit zu gehen. Ich denke, wenn der Tourismus wieder anzieht, werden sich die Menschen nach umweltfreundlicheren, weniger konsumorientierten Aktivitäten umsehen. Unsere Programme befinden sich “abseits der ausgetretenen Pfade”, sodass wir hoffen, dass Reisende sich sicher fühlen, wenn sie sich für uns entscheiden, und dabei einzigartige Erfahrungen machen.”

HiveSters
Von ortskundigen Guides geführt zu werden, ist immer eine besonders intensive Erfahrung. Die Organisation HiveSters bietet solche Erlebnisse in Zentralthailand und Sukhothai an. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Thema Nachhaltigkeit. Dabei steht die soziale Unterstützung der Einheimischen besonders im Vordergrund. Das kulturelle Erbe soll erhalten bleiben und ein positiver sozialer Wandel begleitet werden.

Die Hivesters Gründer Achi und Mint

Interview mit CEO und Mit-Gründerin Achiraya:
Wie haben Sie die Situation in den letzten Monaten erlebt?
“Seit Februar durchleben wir als Unternehmen eine unserer härtesten Zeiten. Die Mehrheit unserer Kunden sind Reisende aus dem Ausland, mit der COVID-19-Situation erreichen unsere Einnahmen aus Reisen den Nullpunkt. Die Herausforderung besteht darin, dass wir nicht wissen, wann dies vorbei sein wird und die Menschen wieder reisen.”

Wie gehen Sie mit der Covid-19-Situation im Allgemeinen um?
“When life gives you lemons, make lemonade.”
“Ich habe meinem Team gesagt, dass die COVID-19 Situation etwas ist, das wir nicht kontrollieren können. Kontrollieren können wir nur unseren Verstand und unsere Einstellung. Ich ermutige mein Team, positiv zu bleiben und diese Situation als Chance für Innovation und Wachstum zu sehen und zu nutzen. Bis jetzt haben wir niemanden entlassen und zahlen immer noch das gleiche Gehalt, da die Mitarbeiter ein wichtiger Teil des Unternehmens und wir wie eine Familie sind. Sie tragen viel Verantwortung und haben große Ausgaben, um ihre eigenen Familien zu ernähren.
Das ist unsere Strategie zur Überwindung dieser Situation:
1. Sofortige Maßnahme:
Wir haben eine neue Snackmarke „Greet Aroi” ins Leben gerufen, um Snacks von Einheimischen zu verkaufen. Dadurch konnten wir unseren Geldfluss aufrechterhalten und gleichzeitig die Menschen vor Ort unterstützen. Unsere Reiseführer sind zu unseren Verkaufsvertretern geworden.

Local Snackes

2. Pläne für die Zukunft:
Wir nutzen diese Zeit, um kreative neue Produkte für unsere Kunden zu entwickeln. Abgesehen von den Reisen starten wir jetzt unser neues Geschäft mit der Entwicklung von Reise-Inhalten. Wir hatten in der Vergangenheit einige Kunden, die nach Materialien für Reise-Vlogs, Blogs und Website-Inhalten gefragt haben.

Welche Hygienemaßnahmen haben Sie bereits getroffen und welche sind geplant?
Sicherheit und Hygiene haben bei uns oberste Priorität. Wir entwerfen und entwickeln Betriebsprotokolle für unsere Touren, die unseren Kunden maximale Sicherheit bieten.

Bei jeder Reise erhalten alle unsere Gäste ein Care-Paket, das eine Maske und Desinfektionsspray enthält. Außerdem gibt es vor Reisebeginn für alle eine Temperaturkontrolle. Unsere Reiseleiter tragen die ganze Zeit über Masken. Während der gesamten Reise wird untereinander ein Abstand von mindestens 1 Meter eingehalten.

Reisen in Thailand mit Abstand

Welchen Eindruck haben Sie von der Situation des Tourismus in Thailand (im Moment und in naher Zukunft)?
“Ich bin sehr optimistisch, was die Tourismussituation in Thailand nach dem Virus betrifft, da wir mit der COVID-19-Situation insgesamt sehr gut umgehen. Dies wird auch das Vertrauen der Thailand-Reisenden stärken. Wir haben einen leichten Zugang zu unseren qualitativ hochwertigen medizinischen Einrichtungen und gut ausgebildetes medizinisches Personal. Die Verhaltensregeln werden stringent umgesetzt. Ich denke, dass Thailand eines der wichtigsten Reiseziele sein wird, das Reisende nach Ende der Pandemie besuchen wollen.”

Thailand hat ein hoch entwickeltes Gesundheitssystem, das den Herausforderungen von Covid-19 standgehalten hat, ohne Überlastung des Systems. Verantwortungsvoll zu Reisen ist gerade in der aktuellen Situation noch wichtiger geworden und Thailand bietet viele Möglichkeiten dazu.